Mittwoch, 15. März 2017

Ein Märchen



Es war einmal eine Frau, die lebte auf ihrer schwimmenden Insel in einem großen, weiten Meer.

Jeden Tag musste die Insel am Ufer des Anderland anlegen, die Leinen wurden verzurrt, die Frau eilte an Land und erledigte all ihre Pflichten, die sie zu erfüllen hatte:

Sie versorgte all die Bedürftigen, die sie finden konnte. In Anderland fanden sich wahrlich unzählige Notleidende. Die Frau sah und hörte hin, sie fühlte mit, linderte Not und brachte Heil in jedes Haus, das sie fand.

Des Abends kehrte sie zu ihrer Insel zurück, kappte die Leinen und während sie matt von des Tages Mühsal zu Boden sank, bewegte sich die Insel aufs Meer hinaus. Die Frau schaffte es kaum, ihr Bett zu erreichen. Und während ihr die großen, stets gütig blickenden Augen zufielen und sie in den unzubenennenden Moment, in dem Traum und Wirklichkeit zu verschmelzen scheinen, hinüberglitt, war immer ein seichtes Säuseln zu vernehmen:

 „Schlimmer geht’s nimmer, schlimmer geht’s nimmer.“

In letzter Zeit hatte sich das Säuseln allerdings in furchterregendes Flüstern gesteigert, so dass die Frau froh war, wenn die Nacht vergangen war und das Tagwerk rief.

Jahraus, jahrein legte also die Insel des Morgens am Ufer des Anderland an, bis sich eines Tages da, wo sonst das Ufer war, ein riesiger Felsen auftürmte und dieser das Verlassen der Insel unmöglich machte.

Verdutzt hielt die Frau inne. So etwas war ihr noch nicht untergekommen. Unmöglich die Insel zu verlassen, um ihre tägliche Routine zu vollziehen. Unzählige Menschen warteten heute vergebens und würden nicht von ihrem Leid befreit. Die Frau war außerstande sich zu bewegen.

„Schlimmer geht’s nimmer“ klang es auf einmal in ihren Ohren. Es war doch Morgen! Und dennoch war dieses mahnende Gesäusel zu hören. Hilflos blickte sie umher und sah NICHTS. 
Ihre Augen tränten vor Verzweiflung. 
Da erkannte sie eine schemenhafte, fast transparente Gestalt. 
Die Angst vor der Unbekannten trieben die Tränen nur so heraus. 

Mit der Tränenflut wurde die Gestalt deutlicher. „Weine nur, das tut allen gut und lässt dich mich erkennen. Ich bin deine Meerfrau.
 Mit jeder deiner Tränen gesunde ich. Seit deiner Geburt trage ich deine Insel. Ich lebe in der Höhle ganz tief unten. Schon lange rufe ich um Hilfe. Haben dich meine Rufe nicht erreicht?
Wir Meerfrauen können nur gut und gesund leben, wenn sich die Menschen nach dem Gesetz der fünf Freiheiten richten:

Sehen und hören, was wirklich ist – nicht, was sein sollte

Sagen was ich denke- nicht was ich denken sollte

Fühlen, was ich wirklich fühle- nicht was ich fühlen sollte

Fordern, was ich möchte- nicht immer erst auf Erlaubnis warten

Risiken eingehen, ohne sich immer erst abzusichern

In deinem Bestreben, deine Pflichten wahrzunehmen, hast du deine eigene Insel vernachlässigt und brachliegen lassen. Im Morast des ungefühlten Elends verschwindet das Meer und ich -die Meerfrau- werde sterben.

Wenn du je weder Anderland betreten willst, musst du erst Meinland, deine Insel, pflegen, Samen in die Erde bringen, wässern und dich darum kümmern…“
 Die letzten Worte waren kaum noch zu hören gewesen. Die Frau erblickte nur noch karges ausgemergeltes Land, der Tränenstrom hatte aufgehört.

„Wie soll ich Samen in die Erde bringen, ich stecke doch hier fest?“ jammerte sie und in ihre Hilflosigkeit tropften wieder dicke Tränen über ihr Gesicht. „Suche den Schatz auf deiner Insel!“ Mit den Tränen erschien die Meerfrau noch mal kurz. „Mach dich nun auf den Weg!“ flehte sie und verschwand dann.
Eine öde Wüste lag vor der Frau. Welchen Weg sollte sie einschlagen, es gab nicht einen.

Neue Wege entstehen beim Gehen, das hatte sie schon so oft an andere herangetragen…
 Neue Wege entstehen beim Gehen, sie wiederholte den Satz wieder und wieder. Bald trugen sie diese Worte. Ihre Füße gingen wie von selbst, suchten sich ihren Rhythmus und nach einer Weile bemerkte die Frau, dass sich eine Melodie zu diesem Satz dazu geschlichen hatte.
 Die wollte gesungen werden aus vollem Hals und die Füße begannen befreiend zu tanzen. 
Ein Quentchen Glück begann in ihr zu sprießen und fiel unbemerkt hinter der Frau zu Boden. Sogleich wurzelte das Glück und wuchs zu einem Teppich von tausenderlei Gräsern und Blumen. 
Mit jedem Hopserschritt entwickelte sich mehr Leben und Farbe auf der Insel, die Frau aber war so vertieft in ihre Schatzsuche, dass sie von all dem nicht mitbekam. Erst als sich ein Bienchen auf ihre Nasenspitze setzte hielt sie verwundert inne. 

„Wo kommst du denn her?“. „Aus der Wiese, die deinem Tanz erwachsen ist.“, offenbarte das Bienchen. „Du weißt ja nicht, wie lange Meinland schon darauf gewartet hat, zu blühen und zu wachsen.“
 „Das ist ja fast wie bei Frau Holle.“ staunte die Frau. „Eben noch fiel mein Leben in sich zusammen und nun wächst auf meiner Insel eine schier unendliche Menge von Leben. Fehlt nur noch der Apfelbaum…“
 „Den sollst du haben.“ entgegnete das Bienchen. „Du warst fleißig genug für heute. Setz dich unter deinen Baum und ergehe dich in Muße!“ befahl es mit schelmischen Lächeln.
 Die Frau wirbelte erstaunt herum und wahrlich, da stand ein herrlich blühender Baum, fest verwurzelt bis ins Innerste ihre Insel, Tautropfen standen auf seinen Blättern und für einen Moment lang meinte die Frau, sie hätte die Meerfrau darin gesehen.
 Zwinkerte sie ihr etwa zu? Nichts war mehr unwahrscheinlich!! Die Frau folgte den Anweisungen des Bienchens und machte es sich bequem und schaute in die wundervolle Landschaft.

„Ich wünsche mir den Raum herbei, wo ich mich geborgen fühle, getragen werde und vertrauen kann, wo ich auftanken kann und Spaß habe. Gehört werde und sein darf.,“ betete sie inbrünstig und fiel in einen tiefen, tiefen Schlaf.

Plötzlich jedoch zog etwas an ihren Füßen und rieß sie aus ihrem Traum. 
Eine Ameisenarmee hatte sie schon bis zum Bauch bevölkert. „Ohne Fleiß kein Preis, ohne Fleiß kein Preis!“ skandierte es wie aus einem Mund. Der frühe Vogel umschwirrte erbarmungslos ihr Haupt und die Schlange ESREICHTNIE nährte unablässig den Zweifel
. Schon verdrängte der Morast des ungefühlten Elends die eben noch blühende Landschaft. Die Frau wollte fliehen, stolperte aber über einen sehr, sehr kleinen Mann, der es sich nicht nehmen ließ, die Frau mit Vorwürfen zu überschütten. „Du liegst hier faul unter dem Baum und in Anderland gehen die Menschen zugrunde. Streng dich gefälligst an, Du Nichtsnutz sieh zu…“
Die Frau lief und lief und lief, je weiter sie wegrannte, umso lauter wurde das Wirrwarr von Tiergesummsel und Schimpftiraden. Sich die Ohren zuhaltend brach sie zusammen. 
Glücklicherweise hatte das Bienchen sie begleitet. Es führte sie zurück zum Baum. Das Gezeter wurde leiser und leiser, je näher sie kamen.

Das Bienchen widmete sich zunächst den Ameisen“ In der Ruhe liegt auch Kraft,“ entgegnete es ihnen und brachte die Armee zum Überlegen.
 Der frühe Vogel bekam einen Wecker und sie stellten gemeinsam eine Weckzeit, die angemessen war. Die Schlange ESREICHTNIE ließ sich zu einem Fragezeichen als zweiten Vornamen überreden und wurde eingeladen, die Augen offenzuhalten und bei Störungen Meldung zu machen.
 Der Zwerg bekam eine rosarote Brille, das besänftigte ihn ein wenig.

Nachdem das Bienchen alle versorgt hatte, kehrte eine wundervolle Ruhe ein.
 Die blühende Landschaft hatte nun neben dem Morast Platz und die Sonne vollendete nahezu ihren Lauf.
 Die Frau und das Bienchen machten sich auf den Heimweg. 
Ihr Schatz: Meinland hatte sich ihr mit all seinen Facetten erschlossen.
Vor ihrer Haustür hing ein Spiegel. „Erkenne dich selbst!“ sang er und als die Frau hineinblickte sah sie alle, die ihr heute auf Meinland begegnet waren und noch viele Unbenamste und sie lud alle ein, sich mit ihr auf die Schwelle ihres Hauses zu setzen.
 Gemeinsam lauschten sie im Mondenschein dem Lied der Meerfrau.

„Auf der Suche nach einem Leben, das mir gehört.
Befreit aus dem Echo endloser Elegien in meinem Inneren
singe ich heute am Fuße des Felsens der Erinnerung die Flut herbei.
Und sterbe nicht
mehr tausend und abertausende Male,
mache ich mit lauter Lust mir Raum
- mein Meer-
Sachte, behutsam halte ich mich selbst: Ich bin ich. Mein Leben gehört mir.
Endlich.“

(SEB)




Montag, 21. September 2015

Ineinander

Ich habe mir nun doch einen schönen Webrahmen gegönnt.  Nun gehen die gelagerten Garne weg.
Teile ineinander weben ist toll. Ich habe einen Versuch abgeschlossen: der erste eingewebte Schal wird zusammengelegt mit Sicherheitsnadeln fixiert und mit eingespannt. Was für Möglichkeiten.
LG
Sabine

Donnerstag, 20. August 2015

Agata

Zur Zeit spinne ich für die Jacke Agata.  Es wird ein fester Faden, der hoffentlich das Pillen verhindert.  Ein Sammelsurium von Kammzügen mit und ohne Glitzerfaser geht ins Garn . Mein Schäfchen taugt als Modell? 
LG Sabine

Sonntag, 2. August 2015

Kunterbunt

Drei unterschiedliche Färbungen gegen in ein zweifädiges Garn.
Eigentlich so gar nicht mein Ding.
Es geht in eine Hippie-Weste , die sich meine Tochter wünscht . 
LG
Sabine







Donnerstag, 23. Juli 2015

In Arbeit

Zur Zeit stricke ich ein Dreiecktuch. Das Farbenspiel überrascht mich sehr. Es ist ein Wunsch meiner Tochter , den ich gerne erfülle.
Lg Sabine

Montag, 13. Juli 2015

Foto trifft Faser , die 2.


Dieses locker verabredete Projekt mit Dominique fand am Freitag seine vergnügliche  Fortsetzung.

Heute erweitere ich den Projektnamen mal:
foto trifft farbenfrohe faser



LG
Sabine

Samstag, 13. Juni 2015




Deine Seele ist ein Vogel 


Deine Seele ist ein Vogel, 
stutze ihm die Flügel nicht, 
denn er will sich doch erheben 
aus der Nacht ins Morgenlicht. 

Deine Seele ist ein Vogel, 
stopf nicht alles in ihn rein. 
Er wird zahm und satt und träge, 
stirbt den Tod am Brot allein. 

Deine Seele ist ein Vogel, 
schütze ihn nicht vor dem Wind. 
Erst im Sturm kann er dir zeigen, 
wie stark seine Flügel sind. 

Deine Seele ist ein Vogel, 
und er trägt in sich ein Ziel. 
Doch wird er zu oft geblendet, 
weiß er nicht mehr, was er will. 

Deine Seele ist ein Vogel. 
Hörst du ihn vor Sehnsucht schrein, 
darfst den Schrei du nicht ersticken, 
bleibt er stumm, wirst du zu Stein. 

Deine Seele ist ein Vogel, 
stutze ihm die Flügel nicht, 
denn er will sich doch erheben 
aus der Nacht ins Morgenlicht. 

(Gerhard Schöne)




LG
Sabine